| Einen
Tag in der Tagesklinik aus der Sicht eines Patienten
Im
Folgenden möchten wir Ihnen einen Tag im Rehazentrum Schwerin
aus Sicht einer Patientin vorstellen. Unsere Patientin wurde
nach einer Operation der Bandscheibe drei Wochen täglich
viereinhalb bis sechs Stunden im Rehazentrum behandelt.
Meine Straßenbahn hält direkt vor dem Rehazentrum.
An der Rezeption bekomme ich meine Therapieunterlagen und den
Schlüssel für den Schrank. Ein kurzer Blick auf den
Wochenplan – der Reha-Tag beginnt mit Physiotherapie.
Ich
liege auf dem Bauch, die Hände der Therapeutin tasten am
Rücken um die Narbe herum, mal vorsichtig, mal stärker.
„Gezielte Weichteilbehandlung”, sagt die junge Frau
dazu. Es fühlt sich an wie eine Massage. Meine Aufgabe
ist es, zu entspannen und die Handgriffe zu kommentieren.
So entsteht die Atmosphäre eines lockeren Gesprächs
und ich fühle mich in guten Händen. Eine halbe Stunde
ist vergangen. Am Ende der ersten Tagesetappe stehe ich unter
Strom. Kleine Saugnäpfe an Kabeln wurden auf meinem Rücken
platziert und nun kribbelt es unter der Haut.
Bis zum Beginn des Trainings an den Geräten habe ich noch
Zeit. Knapp 20 Minuten im Bistro – Zeit ein paar Zeilen
zu lesen, zu plaudern mit den bekannten Gesichtern.
„Medizinische
Trainingstherapie" sagt der Plan. Ich werde aufs Fahrrad
gesetzt und verkabelt. Das Gerät kennt mich. Es weiß
seit dem Eingangstest, welche Trittfrequenz mir gut tut, wieviel
Kraft ich aufwenden sollte. Dann darf ich mich auf eine der
blauen Schaumstoffmatten legen. Die junge Frau zeigt mir, wie
ich mit angewinkelten Beinen die Wirbelsäule mobilisiere.
Nun
die Geräte: Bei jeder Übung werden die Einstellungen
genau für meine Person gewählt. Wieder liege ich auf
dem Rücken, ziehe an zwei Seilen und bewege so die Gewichte
der Maschine mit gestreckten Armen bis auf die Oberschenkel.
Gleiches noch einmal auf einem Hocker sitzend.
Schließlich
nimmt mir meine Therapeutin die Seile aus der Hand. Nach knapp
90 Minuten sind die Übungen beendet.
Ich
bin mit dem Ablauf vertraut. Jetzt folgt die Mittagspause. Wasser
stillt den Durst, eine gesunde warme Mahlzeit den Hunger. Vorsorglich
habe ich mich mit einem Buch versorgt – für den Kopf.
Hinter dem Bistro locken mich die mit Abstand bequemsten Plätze,
ich lasse mich nieder und genieße eine Stunde in Ruhe.
Gemeinsam mit anderen Patienten höre ich einen Vortrag
des ärztlichen Leiters zur Schmerzbewältigung. Vor
ein paar Tagen schon ist das Thema aus Sicht der Psychologin
beleuchtet worden. Jetzt lerne ich die Signale meines Körpers
besser zu verstehen.
Nun
heißt es: umziehen, duschen – auf ins Bewegungsbad.
Gemeinsam mit fünf anderen stehe ich bis zur Brust im warmen
Wasser, vom Beckenrand aus zeigt eine Physiotherapeutin, was
zu tun ist, korrigiert die Bewegungen. Wir heben Schaumstoffrollen
in die Luft, legen uns auf den Rücken, ziehen die Beine
an, strecken sie wieder, legen uns auf den Bauch, halten die
Bretter mit gestreckten Armen vor uns hin.
Die halbe Stunde vergeht wie im Flug. Dann wieder Duschen, kurz
auf die Therapeutin warten und ab zum Schwitzen in die Infrarotkabine.
Der
Raum mit den hölzernen Kabinen erinnert an eine Sauna,
doch statt des Ofens sind Infrarotlampen eingelassen. Mit einem
Handtuch sitze ich auf der Bank aus Fichtenholz. Obwohl ich
weiß, dass die Luft sich nicht über 60 Grad erhitzt,
habe ich das Gefühl, eine Sauna könnte nicht wärmer
sein. Schon beim ersten Mal habe ich mit Beruhigung festgestellt,
dass nach den 25 Minuten Infrarot warm geduscht wird.
Der
Abschied am Tresen der Rezeption ist kurz und herzlich. Schlüssel
und Therapieplan müssen wieder an ihren Platz, dann hallt
ein „Bis Morgen!” durch den Raum. Ein paar Schritte
nur sind es zur Bahn und zu Hause empfängt mich wieder
das Familienleben.
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